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Hommage und ein Brückenschlag

Stadtkapelle widmet ihr Jahreskonzert vermisster Flötistin

VON DR. BÄRBEL SCHÄFER Dachau - Mit einem musikalischen Bilderbogen aus Europa erfreute die Stadtkapelle bei ihren Frühjahrskonzerten die Dachauer. In einem breiten Klangspektrum wurden auf hohem musikalischen Niveau vielseitige und anspruchsvolle Kompositionen zum Leben erweckt. Mit seiner 1200-jährigen Geschichte liege Dachau im Herzen Europas, durch das man vom Schlossberg aus einen Streifzug unternehme, so Vorsitzender Daniel Maier zur Begrüßung im Schloss.

Gleichzeitig widmete das Orchester das Konzertwochenende Katharina Fischhaber und ihrer Familie, die seit der Flutkatastrophe in Südostasien vermisst werden. Katharina Fischhaber spielte zwei Jahre lang als Querflötistin in der Stadtkapelle.

Ebenso informativ wie unterhaltsam führte erstmals Martin Mauersich durchs Programm. Das Motto des Konzerts erklärte er als Hommage an die europäische Heimat und ihre kulturelle Vielfalt sowie als Brückenschlag, um die Musik in eine andere Dimension zu führen.

Brillante Musizierleistung

Unter der Leitung seines Dirigenten Franco Hänle spielte das Orchester feinste konzertante Blasmusik in einem abwechslungsreichen Repertoire vom forschen Konzertmarsch über die ernste Ouverture bis hin zur unterhaltsamen Pop-Musik. Hoch motiviert und gefühlvoll wurde musiziert, wobei die ersten beiden Stücke, ein englischer Konzertmarsch und die Ouverture aus Verdis Nabucco, molto forte ausfielen. Doch spätestens bei Serge Langens "Hymne á la Musique" hatte das Orchester zum richtigen Ton gefunden. Das Werk, das in seiner Transparenz der Musik Ravels und Debussys nahe steht, wurde in seiner Klarheit und Leichtigkeit, nicht nur angemessen, wie Mauersich vorausschickte, sondern brillant umgesetzt.

Einen neuen Stil im Bereich der Blasmusik markiert Stephen Melillos Komposition "Once more unto the Breach". Der Amerikaner hat das Stück Ludwig von Beethoven gewidmet und eine elegante Verbindung zwischen ernsten und die Seele ergreifenden Passagen geschaffen. Mit fein differenzierten Tempi und Lautstärken interpretierte die Stadtkapelle äußerst klangschön das vielfarbige Werk, das neben der spanischen Ouverture "Alcazar" einen der Höhepunkte darstellte. In "Alcazar" gelang es dem Orchester die temperamentvolle südliche Stimmung vorzüglich zu treffen und das pralle andalusische Leben hörbar zu machen. Die Serenade op. 22 komponierte der Engländer Derek Bourgeois als Hochzeitsgeschenk für seine Frau, und "um die Hochzeitsgäste zu ärgern", wie Martin Mauersich erzählte. Der in Spanien lebende Komponist schrieb das Werk ursprünglich für Orgel und arrangierte es später für Blasorchester um. Den besonderen Reiz erhält das Stück durch seine vertrackten Taktarten, die von der Stadtkapelle mit feinsinnigem, lyrischem Gespür interpretiert wurden.

Da man an bei europäischer Musik keinesfalls an Österreich vorbeikommt, war das letzte musikalische Bild Johann Strauß und seiner rasanten "Donner und Blitz"-Polka gewidmet.

14.03.2005