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Von anspruchsvoll bis schmissig

Stadtkapelle Dachau überzeugte im Open-Air-Konzert

Dachau - Dass sich die Stadtkapelle intensiv auf ihr Open-Air-Konzert auf dem Pfarrplatz vorbereitet hatte, konnte man hören. Unter der Leitung von Franco Hänle spielten die 54 Musiker und Musikerinnen feinste konzertante Blasmusik mit einem beachtlichen Repertoire vom Konzertmarsch bis zum sinfonischen Jazz - "Klassik mit Jazz vermischt", so Sascha Gabelmann, der mit lockerer Conference durchs Programm führte.

Dass die SKD mit diesem Konzertprogramm ihren eigenen musikalischen Stil gefunden und auch den Geschmack des Publikums getroffen hat, zeigte die begeisterte Resonanz nach dem Konzert. Mit der "Appalachian Ouverture" wollte das Orchester den vielen Zuhörern erst einmal frische Bergluft um die Ohren wehen lassen, bevor es zum Swing und Big Band-Sound überging. Doch davor gab es noch die "76 Trombones" zu hören, ein Stück, das sich stark an den Stil der Märsche von John-Philipp Susa, dem Erfinder des Susaphons, anlehnt. Es wurde aber noch nie mit 76 Posaunen gespielt, wie Gabelmann erläuterte. "Bei denen passt jeder Ton", bemerkte ein begeisterter Zuhörer nach der anschließenden "Rhapsody in Blue" von George Gershwin, der mit seinem Musikstil Geschichte schrieb. Dass sich seine als "sinfonischer Jazz" charakterisierte Musik hervorragend für Blasorchester eignet, bewies die Stadtkapelle mit differenzierten Bläsersätzen und fein abgestimmten Harmonien. Filmmusik bot das Orchester mit Chuck Mangiones "Children of Sanchez", einer Komposition, die mit Flügelhorn-Soli nur so gespickt ist und als Kultstück des südamerikanischen Latin Jazz gilt. Spätestens hier wurde deutlich, welches Potenzial im Klangkörper dieses Orchesters steckt.

Beim Titel "Music", der berühmten Liebeserklärung von John Miles an die Musik, wurden alle Instrumentengruppen gleichermaßen beansprucht. Hänle führte sein Orchester routiniert durch das anspruchsvolle Stück, das mit vielen Tempi- und Taktwechseln hohe Anforderungen an die Musiker stellt. Zunehmend in Richtung Swing begab man sich mit einem Frank Sinatra-Medley, dessen Arrangement so richtig Laune machte. Mit Glamour wurden Welthits wie "New York, New York" und "My way" gespielt. Soviel Feeling konnte nur noch durch "In the Mood" gesteigert werden, mit dem Glenn Miller 1939 den Big Band-Sound neu definierte - weg vom bis dahin üblichen schrillen und aggressiven Klang hin zum weichen, melodiösen Vortrag.

Den Höhepunkt sparte sich Hänle, der das Orchester vor einem Jahr von Herbert Frey übernommen hatte, jedoch bis zum Schluss auf. Mit der "South Rampart Street Parade" ließ er schmissigen New-Orleans-Jazz spielen, mit vielen Solo-Stellen und Piccoloflöten, die dem Rest der Bläser das Fürchten lernten. Als Hommage an das schöne Wetter gab es als Zugabe den spanischen Marsch "Barcelona 92", wohl auch um die traditionelle Marschmusik nicht ganz aus dem Programm zu verdrängen.

KW 31, DN/MM 2004